New York Marathon   von Hans Muhl

Ich habe die magischen 42.195 Meter geschafft

Nach 240 Trainingsläufen mit insgesamt 2.500 zurückgelegten Kilometern bin ich zusammen mit meinem Chef Torsten am 6. November 2005 den New York Marathon gelaufen. Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass ich diese Strecke laufen kann, hätte ich es selbst nicht für möglich gehalten.

Wie kam es überhaupt so weit, dass ich, der in der Schule als ausgesprochen unsportlich galt, zum Marathonlaufen gekommen bin? Also, das Ganze begann im März 2004, als eines Tages Torsten zu mir ins Büro kam und fragte, ob er auch mich für das alljährliche Hockenheim-Ring-Laufen anmelden soll. Ich fragte ihn gleich, wie lang denn die Strecke sei. Darauf meinte er, es seien "nur" 4,8 km, die würde ich doch wohl schaffen. Worauf ich zu ihm sagte, wenn er die Zeit hätte, auf mich zu warten, bis ich mich zwischendurch ausgeruht hätte, könnten wir es ja versuchen. Er antwortete nur: "OK, dann trainierst du halt ein wenig, ich melde uns schon mal an." Ich dachte nur "Mein Gott, 4,8 km an einem Stück zu laufen, dass ist ja fast bis Schanderhaas.

Einige Wochen später lief in den ARD der Dreiteiler "von null auf 42", in dem Dr. Thomas Wessinghage (seiner Zeit Europameister im 5.000 m Laufen) unter 17.000 Bewerbern 7 Nichtläufer ausgesucht hat, um diese in einem sportmedizinischen Experiment innerhalb eines Jahres zu einem Marathon zu führen. Als der erste Teil gesendet wurde, haben wir am nächsten Morgen im Büro darüber geredet und irgendwann sagte ich zu Torsten: "Wollen wir es auch versuchen? Dieses Jahr schaffen wir es nicht mehr (es war ja nun schon Mitte April), aber in 2005 könnte es doch klappen, schließlich haben die es ja auch geschafft." Und so beschlossen wir, uns auf den New York Marathon vorzubereiten.

Am darauf folgenden Wochenende wurde bei uns in der Nähe ein Marathon mit Halbmarathon veranstaltet. Das war die Gelegenheit, sich die Läufer im Zielbereich anzuschauen. Schließlich wollte ich schon mal eine kleine Vorstellung haben, wie "kaputt" man eigentlich nach 21 oder gar den magischen 42,195 km ist. Die meisten Läufer und Läuferinnen, die durch das Ziel kamen, machten jedoch noch einen relativ guten Eindruck, also schien alles doch gar nicht so schlimm zu sein. Am nächsten Morgen berichtete ich Torsten, dass ich meine erste Hürde Richtung Marathon schon genommen habe: ich war als Zuschauer anwesend, dass ist doch schon mal ein Anfang.
Anfang Mai, als es draußen schon wärmer war, habe ich mir eines Nachmittags die Sportschuhe und ein Paar sportliche Sachen angezogen und bin raus zum "Laufen". Ja, mit Laufen war da wohl nicht viel, ich musste das Laufen immer wieder durch Gehphasen unterbrechen, da mir die Luft fehlte. Nach ca. 20 min. kam ich ziemlich fertig und frustriert zuhause an. In den nächsten Tagen habe ich mir Bücher über das Laufen besorgt und eine Pulsuhr gekauft. Nachdem ich mich in den Büchern "schlau" gemacht und meine Pulswerte ermittelt hatte, war mir bewusst, dass es seine Zeit braucht, um richtig Laufen zu lernen. Nach 2 Wochen war ich das erste Mal imstande, in ganz langsamem Tempo 40 min. am Stück durchzulaufen.
Die 4,8 km am Hockenheimring habe ich in 29 min. 10 sec. geschafft. Sie stellten kein Problem mehr dar. Ich muss sagen, es ist schon ein irres Gefühl, zusammen mit einigen tausend Leuten zu laufen. Das motiviert und steckt an.
Anschließend ging ich so ca. 3 - 4 mal pro Woche zum Laufen und war selbst erstaunt, wie schnell die Kondition zu- und das Gewicht abnahm. Ende August hatte ich mich für den 10 km-Lauf in Mannheim-Rheinau angemeldet, wofür ich mir eine Zeit von unter einer Stunde vornahm. Ich schaffte dann die Strecke in stolzen 57 min. 32 sec. So lange es draußen schön warm und angenehm war, machte das Ganze schon Spaß, wer hätte das gedacht!

Jetzt stand aber die kalte und regnerische Jahreszeit bevor. Also, wieder "schlau machen"! "Wie komme ich durch den Winter?" Die Lösung war "Funktionswäsche". Also Klamotten aus Materialien, die die Feuchtigkeit schnell vom Körper nach außen transportieren. Na ja, wenn ich ehrlich bin, habe ich es im Winter dann doch ziemlich schleifen lassen. Bis zum großen Lauf war ja noch genug Zeit zum Trainieren, und so habe ich mir im Winter all die Kilos, die ich herunter gelaufen hatte, wieder schön angefressen. Ab Januar war dann Schluss mit lustig und es ging wieder an das regelmäßige Training. Im Mai stand schließlich die große Prüfung, die 28,1 km in Mainz, an! Der Winter wollte aber in diesem Jahr nicht enden, und so bin ich noch im März bei Schnee- und Graupelschauer gelaufen. Bis zum großen "Run" in Mainz war ich dann aber schon so weit fit, dass ich die Strecke, zusammen mit Torsten, ohne größere Schwierigkeiten in einer Zeit von 2 Stunden 53 Minuten geschafft habe. Danach hatte ich voller Stolz meine erste Medaille um den Hals hängen! Die bekommt zwar jeder, der ins Ziel kommt, ich fühlte mich aber als Sieger.
In der nächsten Zeit standen nun die langen Trainingseinheiten bevor, dass heißt, an den Wochenenden anfangs mindestens 1½ Stunden, bis Mitte September das Ganze auf 3 Stunden am Stück laufen steigern und, wenn möglich, 5 bis 6 mal die Woche mindestens eine Stunde raus. Das machte dann keinen Spaß mehr, aber die Reise war schon gebucht und ich wollte es wissen. Mitte September stand ein weiterer Test an: der Halbmarathon in Karlsruhe, den ich in einer fabelhaften Zeit von 1 Stunde 47 Minuten geschafft habe. Im Ziel war ich "stolz wie Oskar" und hatte meine zweite Medaille um den Hals.
Ende Oktober, als ich marathon-reif war, hatte ich 10 kg abgenommen (der Bauch war weg) und dabei zwei Paar Schuhe verschlissen. Am 2. November war es endlich so weit. Die Koffer waren gepackt und es ging mit der 14:00 Uhr Maschine ab nach...

New York

Die ersten beiden Tage besuchte ich entspannt Verwandte südlich von "Big Apple". Am Freitagnachmittag kam ich dann mit dem Bus nach New York, in die Stadt, die niemals schläft, wo Torsten mich erwartete. Wir waren in einem recht "noblen Schuppen" (Hotel) untergebracht, in dem alles, wie fast generell in New York, recht teuer war. Das Frühstück war schon mal nicht in dem "bescheidenen" Preis des Zimmers enthalten. Für zwei Eier waren 19$ fällig (Zitat Speisekarte: "Two eggs any style 19$"). Es gibt halt so wenig Hühner in dieser Stadt, da ist es schon mal berechtigt, einen solchen Preis zu verlangen. Der Rest vom Frühstück kostet natürlich noch mal extra. Das haben wir dann auch schnell bleiben lassen und haben in einem Bistro um die Ecke gefrühstückt. Zwar von Einweggeschirr, aber durchaus empfehlenswert.
Am Samstag, und seltsamerweise unterscheidet sich dieser Tag überhaupt nicht von einem anderen herkömmlichen Wochentag in New York, es ist genauso laut und hektisch. Ideal war dieser Samstag eigentlich, um Sightseeing an frischer Luft zu betreiben, wir mussten aber unsere Kräfte für den Sonntag schonen. Vorher jedoch stand der so genannte "Freundschaftslauf der Nationen" auf dem Plan. Das muss man sich so vorstellen: Sportler aller, nun ja fast aller Nationen außer den USA, treffen sich morgens um 8 Uhr vor dem Gebäude der UN und lauschen irgendwelchen Reden irgendwelcher Sponsorenmanager. Glücklicher Weise war es nicht so kalt, aber eine Bombenstimmung (die Bomben hatten sie vorher schon mit den Sprengstoffhunden beseitigt). Dann wurde "God bless America" gesungen und wir bewegten uns danach seeeehr langsam in Richtung einer imaginären Startlinie. Keine Startlinie, kein Startschuss, aber alle lustig drauf. Plötzlich und unerwartet lief man in gaaaaanz langsamen Tempo los, inmitten von ca. 10.000 anderen internationalen bewusst national denkenden Herdenläufermännchen und -weibchen...Um es abzukürzen: nach ca. 7 km, die meisten führten über die 42nd Street East Richtung Central Park (war wohl einfacher wegen der Absperrungen) erreicht man dann "Tavern on the green" (ein großes Zelt mitten im Central Park), wo es ein gemeinsames Frühstück gab, natürlich American-Style: Gummi-Bagle (so´ ne Art rundes Brötchen), Trinkyoghurt, Kaffee, Tee, Wasser, Getorade und eine Banane. Den Nachmittag haben wir uns in den Park am südlichen Ende von Manhattan auf eine Bank gehockt, uns den Wind um die Nase wehen lassen, die spätherbstliche Sonne genossen und uns mental auf den "Tag des Jahres" vorbereitet.
Abends haben wir noch unsere Lauftrikots "präpariert", dass heißt, mit einem wasserfesten Filzstift unsere Vornamen mit großen Buchstaben auf die Vorderseite gepinselt. Vor dem Schlafengehen wurden noch vorsichtshalber drei Wecker gestellt, um die Abfahrt des Busses, der die Läufer an den Start bringt, am nächsten Morgen ja nicht zu verpassen. Diese Vorsorge hat sich als recht übertrieben herausgestellt, da wir beide schon vor lauter Aufregung und Tatendrang um 4:30 Uhr wach waren. Dann war er endlich da,
der

Marathontag

Aufstehen und duschen, man will ja schließlich keinen alten Schweiß mit auf die Strecke nehmen. Anschließend die üblichen Magnesium- und Multivitamin-Tabs in einem Liter Wasser aufgelöst und mit einem großen Schluck die erste Banane heruntergespült. Dann die erste Schicht Klamotten (die spätere Laufschicht) anziehen. Da es um diese Jahreszeit morgens doch recht kühl ist, kommen darüber noch die sogenannten "Wegwerf-Klamotten". Das sind alte, warme, ausrangierte Klamotten, die ich kurz vor dem Loslaufen in einen Sammelcontainer für Obdachlose zu werfen gedachte. Von diesem Zeitpunkt an waren es nur noch lächerliche 4,5 Stunden bis zum Start (Das hängt mit dem frühzeitigem Sperren der Verrazano Narrows Brücke zusammen, die 2 Meilen lang ist. Da braucht man ´ne Menge Sprengstoffhunde und entsprechend wird die Brücke schon 3 Stunden vor dem Start gesperrt). Raus aus dem Hotel, rein in den Bus und ca. 45 min. Fahrt Richtung Staten Island. Da hockt man nun in diesem Bus und lässt sich "in aller Herrgottsfrüh" an das andere Ende der Stadt karren, um von dort zusammen mit einer Horde weiterer Bekloppter die ganze Strecke wieder zurückzulaufen. An unserem "Lager" angekommen, wurden wir auch schon von den Helfern vor Ort enthusiastisch empfangen. Ich sagte zu Torsten: "Die empfangen uns wie die Gladiatoren im alten Rom". Im "Lager" gab es wieder ein American-Style-Frühstück mit Gummi-Bagle, Trinkyoghurt, Kaffee, Tee. Anschließend haben wir es uns unter einem Zeltdach gemütlich gemacht. Das "Lager" füllte sich mehr und mehr. Nach 9:00 Uhr kam dann schon etwas Bewegung in die Menge. So langsam begab man sich in Richtung Startaufstellung und die Masse verwandelte sich, wie durch eine Metamorphose, in Läufer. Die "Wegwerf-Klamotten" lagen überall am Straßenrand, es sah aus wie auf einem Schlachtfeld. Pünktlich um 10:10 Uhr erfolgte der

Startschuss

Der Moment, auf den ich 1½ Jahre lang hin gearbeitet hatte, ist gekommen. Jetzt kommt die Stunde der Wahrheit. Habe ich genug und richtig trainiert?
Da wir ja in Amerika sind und hier alles, was Show betrifft, extravagant und überdimensional ist, erfolgt der Startschuss mit einer Kanone, die nicht zu überhören ist. Bis sich der ganze Lindwurm in Bewegung setzt, vergehen allerdings noch ca. 10 Minuten. Es braucht halt eine gewisse Zeit, bis sich 37.000 Läufer in Bewegung setzen. Im Startbereich werden wir dann wieder von Ami-Musik begleitet. Aus großen Lautsprechern ertönt die Hymne und Frank Sinatras "New York, New York." Ist schon irre bekloppt, freiwillig 42,195 km zu laufen und dafür auch noch schlappe 2.000 € hinzublättern (für die gesamte Reise), um dann eine Gänsehaut bei diesem ollen Schlager zu bekommen - und Du bekommst sie - jeder, der das Gegenteil behauptet, lügt in meinen Augen! Der Lauf beginnt auf

Staten-Island,

das ist eine Insel, die mittels der Verrazano Narrows Brücke mit dem Stadtteil Brooklyn verbunden ist. Diese Brücke hat zwei Etagen mit jeweils drei Fahrspuren in einer Richtung und ist komplett mit Läufern besetzt. Angesichts ihrer Länge ist sie auch dementsprechend hoch und so geht es nach dem Start recht steil nach oben. Wir werden auf die linken Fahrbahnen der oberen Etage eingewiesen. Auf der Mitte der Brücke haben wir gleich zwei Hürden geschafft: die erste Meile und der höchste Punkt der gesamten Strecke liegen hinter uns. Jetzt geht es erst mal seeeehr lange nur bergab, einmal links und einmal rechts und dann nur noch geradeaus. Wir sind in

Brooklyn

auf der 4th Avenue angekommen. In diesem Stadtteil, der hauptsächlich von Schwarzen bewohnt wird, laufen wir fast die Hälfte des gesamten Marathons. Die Stimmung auf und neben der Strasse ist einfach unglaublich, fast schon zu laut an manchen Stellen. Wie die Zuschauer einen anfeuern ist unvorstellbar. Irgendwann sagt Torsten zu mir: "Es kommt mir vor, als wären unsere Fotos gestern in der "New York Times" auf der ersten Seite erschienen". Am beeindruckendsten finde ich es, als wir an einer Kirche vorbeilaufen und die ganze Kirchengemeinde (es ist schließlich Sonntagmorgen) in Sonntagskleidung vor der Kirche steht und uns anfeuert. Das ist pures Doping. Dann kommt auch schon das krasse Gegenteil von Brooklyn. Man biegt um die Ecke und ist in einer anderen Welt - in

Queens.

Hier leben die meisten der orthodoxen Juden New Yorks. Diese Menschen sehen nicht nur anders aus, sie sind es auch. Irgendwie blutleer und weltfremd stellt es sich mir dar. Keine zwei Hände, die klatschend zueinander finden, selbst die Kinder sind vollkommen stumm und halten 37.000 Läufer scheinbar für das Normalste der Welt. Irre irgendwie. Nur schnell weg hier. Aber schnell wollen wir ja gar nicht sein. Unsere geplante Zeit von 6:30 min. bis 6:50 min. pro Kilometer schaffen wir locker und uns geht es hervorragend. Der Halbmarathon-Punkt kommt immer näher, womit der erste Teil der Strecke geschafft wäre. Die

Pulaski Brücke

kommt in Sichtweite. Von der Brücke hat man einen herrlichen Ausblick auf die Hochhäuser Manhattans. Schnell mal kurz stehen bleiben, die Kamera ansetzen und klick, klick - ist für jeden ein schönes Erinnerungsfoto gemacht. So viel Zeit muss sein. Anschließend noch ein paar Meter und schwups ist man über die Matte mit der Zeitnahme gehüpft, die Hälfte haben wir hinter uns. Die Stoppuhr zeigt 2:33:27, nicht ganz das, was ich mir erhofft habe, aber immer noch gut genug für diesen einzigartigen Lauf. Persönliche Bestzeit werde ich auf jeden Fall laufen, da es ja der erste Marathon ist. Das Wetter ist herrlich, mittlerweile haben wir so um die 20° C und Sonnenschein, fast ein wenig zu warm zum Laufen. Manhattan kommt immer näher. Noch ein-, zweimal um die Ecke und es geht wieder stetig bergauf auf die

Queensboro Brücke.

Diese Brücke hat es in sich. Sie geht über beide Arme des East-Rivers, ist nicht so steil, aber dementsprechend lang und wir haben immerhin schon mehr als 25 km hinter uns. Der Anstieg will und will nicht enden. Ab der Mitte der Brücke begleitet uns eine schottische Dudelsack -Kapelle ein Stück des Weges. Gleich geht es besser, vor allem bergab und wir tauchen das erste Mal ein in

Manhattan.

War es bis jetzt schon laut an der Strecke, so hab ich für das, was uns hier empfängt, keine Beschreibung mehr. Die 1st Avenue ist an dieser Stelle achtspurig(!!!), die Zuschauer stehen also relativ weit weg, wenn man in der Mitte läuft. Aber selbst in der Mitte dieser wunderschönen, kerzengeraden und leicht abfälligen Straße ist der Lärm immer noch ohrenbetäubend. Irgendwann entdecken wir in der Menschenmenge Torstens Frau. Kurz ein paar Worte getauscht und eine Banane in Empfang genommen (die gibt es im Gegensatz zu anderen Marathons hier nicht), um ein wenig Energie zu tanken. Ein Stückchen weiter, bei Meile 18, gibt es dann einen weiteren Energie-Proviant: Power-Gel. Wer das nicht kennt, muss sich das so vorstellen: Man bekommt kleine Tüten, gefüllt mit einem Brei, der die Konsistenz von flüssigem Fensterkitt hat, in die Hand gedrückt. In diesem zähflüssigen Brei sind angeblich hochwertige Kohlenhydrate in verschiedenen Geschmacksrichtungen, die chemischer nicht schmecken könnten. Man reißt sie mit den Zähnen auf und versucht dann, diesen Brei unter kräftigem Druck möglichst schnell an der Zunge vorbeizuschießen. Das geht leider nur bedingt. Ist aber nicht weiter schlimm, denn kurz danach kommt wieder eine dieser schönen und bestens organisierten Wasserstellen. So kann man dann eine ausgiebige Munddusche nehmen. Das Zeug wirkt erstaunlich gut, und wir glauben beide, einen kleinen Energieschub zu verspüren. Egal ob Einbildung oder nicht, uns geht es gut. Und das nach fast 30 Kilometern! Jetzt müsste eigentlich so langsam "Der Mann mit dem Hammer" auftauchen, aber der hat wohl heute andere Termine. Bei Torsten und mir klopft er jedenfalls nicht an. Die

Bronx

lassen wir sehr schnell hinter uns. Über eine Brücke rein, einmal um die Ecke, wo wir wieder mit Frankies "New York, New York" begrüßt werden. Ehe man sich versieht, ist man auch schon über die nächste Brücke wieder

zurück in Manhattan.

Die letzte harte Prüfung steht an. Parallel zur 1st Avenue laufen wir jetzt die berühmte 5th Avenue wieder Richtung Süden, dem Central Park und damit auch dem Ziel entgegen. Es geht leicht, aber unheimlich lange und sehr kräftezehrend stetig bergauf. Mental wird man so richtig mürbe gemacht. Bis hierhin war alles nur Spaß, jetzt zeigt sich aber sehr deutlich, wer mit seinen Kräften in der ersten Hälfte sorgfältig umgegangen ist. Jetzt tauchen die Läufer auf, die uns am Anfang schnell und enthusiastisch überholt haben. Wir rollen sie alle der Reihe nach von hinten auf. Noch einen kleinen Schlenker nach rechts und wir sind im

Central Park

Irgendwie denke ich: "Jetzt bist du gleich da, es ist nicht mehr weit, mir geht´s gut." Auf den letzten Kilometern, zeigt sich, warum New York zu den schwierigsten Strecken überhaupt gehört. Aber, wie so oft auf dieser Strecke, helfen auch hier die Zuschauer, die hier dicht an dicht stehen, ungemein: "You´re lookin´ good, you did a great job, you are all supermen, you smell like a hero...!" sind nur einige der Wortfetzen, die mein Bewusstsein erreichen. Aber es sind wichtige, wenn nicht sogar die wichtigsten der Strecke. Es ist jetzt klarer denn je: Wir werden das Ziel erreichen, ich werde dabei lächeln und mir wird es gut gehen. Was will ich mehr? Nach unzähligen Hügeln und einer weiteren steilen, langen, mir unverständlichen Passage auf der 5th Avenue kehren wir dann ein letztes Mal in den Central Park ein. Noch 300, noch 200, noch 100 yards und dann kann ich endlich die heiß ersehnte Ziel-Line erkennen. Torsten bemerkt, dass eine der Kameras im Zielbereich voll auf uns gerichtet ist, wodurch wir auf einer Videoleinwand groß zu sehen sind, und macht mich darauf aufmerksam. Wir reißen beide die Arme in die Höhe und laufen gemeinsam strahlend durch das Ziel.

Geschafft, was für ein Erlebnis!!!

Zur Belohnung haben wir uns anschließend noch eine Woche Urlaub in New England und Boston gegönnt.



Bilder vom
New York

Marathon

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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