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Billed,
ein Schwabendorf in der Banater Heide
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| Die
Banater Gemeinde Billed gehört heute zum Kreis Temesch in Rumänien. Das
Dorf liegt am südöstlichen Rande der Banater Heide, die geographisch Teil
der großen Ungarischen Tiefebene ist. Der Ort liegt auf 38° und 37‘ östlicher
Länge und auf 45° und 53‘ nördlicher Breite, auf einer Höhe von 90-93
m ü.d.M. Billed wird im Osten vom Jerbach und im Westen vom Warjascher
Graben umflossen.Wie das ganze Banat hat Billed kontinentales Klima, mit
kalten Wintern und heißen Sommern, der Frühling ist meistens kurz. Die
Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei10,6° C. Die Schwarzerde des Billeder
Bodens und der relativ niedrige Grundwasserspiegel ermöglichen eine hohe
Fruchtbarkeit der Billeder Felder. Billed liegt an der Staatsstraße Temeswar–Großsanktnikolaus
und hat Eisenbahnanschluss. |
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| Um
die Erforschung der Geschichte Billeds haben sich drei Männer besondere
Ver-dienste erworben: Franz Klein (*1919), Dipl.-Ing. Johann Pierre (1886-1952)
und Wilhelm Weber (*1924). Franz Klein hat seine Forschungsergebnisse
in dem Buch „Billed – Chronik einer Heidegemeinde im Banat“, dem Standardbuch
über Billed, zusammengefasst. Johann Pierre konnte seine wertvollen Studien
über Billed und das Banat nur teilweise in Zeitungen und Zeitschriften
veröffentlichen. Wilhelm Weber hat seine Chronik Billeds unter dem Titel
„Kranich und Pflugschar im Siegel“ 1973 in der Zeitung „Neuer Weg“ veröffentlicht
und eine ganze Reihe von Beiträgen über Billed im „Billeder Heimatblatt“
wie auch in anderen Büchern, Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht.
In geschichtlichen Zeitabläufen gesehen, hat „unser Billed“ einen relativ
kurzen Bestand von bisher 235 Jahren. Das Banat und der Ort unseres Heimatdorfes
zeigen hingegen Spuren menschlicher Siedlungen, die bis in die graue Vorzeit
unseres Zeitaters zurückgehen. Allerdings sind diese Spuren recht undeutlich
und wissenschaftlich nur teilweise klar definiert. Nach bisherigen Forschungen
taucht der Ort unseres Heimatdorfes erstmals unter dem Namen Billyed auf
einer Urkunde im Jahre 1462 als Besitz der Familie Hagymas de Beregszo
auf. Wann die Siedlung entstanden ist, welchem Volk seine Bewohner angehörten,
welche Sprache und welche Religion sie hatten, ist nicht bekannt. Es spricht
vieles für die Annahme, dass diese Siedlung, die wahrscheinlich eine Größe
von 20- 40 Häuser hatte, sich etwa einen Kilometer vom heutigen Dorf entfernt,
südlich der großen Schleife des Jergrabens befand. Sie ist während der
Türkenherrschaft (1552-1716) vernichtet oder aufgegeben worden. Wenngleich
mehrere Funde auf eine frühere Besiedlung des Terrains südöstlich des
„Hanfwassers“ deuten, wurden bisher noch keine Spuren der sicher aus Lehm
gebauten Behausungen der Siedlung gefunden. Eindeutig wird jedoch in mehreren
Pachtverträgen des Brach- oder Weidelandes „Prädio Billiet“ vom „verlassenen
Dorf Billiet“ gesprochen. Es kann aber mit Sicherheit gesagt werden, dass
bei der Gründung des deutschen Dorfes Billiet, spätere Schreibweise Billed,
im Jahre 1765 keine andere Siedlung auf der Gemarkung unserer Gemeinde
bestand. Beim Bau unseres Dorfes wurde kein Haus, kein Brunnen, keine
Brücke und kein Stein einer früheren Siedlung verwendet. Wie auf Anton
von Triebswetters Plan des „teutschen Dorffes Billiet“ aus dem Jahre 1769
ersichtlich, umging damals die Reichsstraße von Temeswar nach Szegedin
und Wien das heutige Billed südwestlich, da es zu dieser Zeit noch keine
Steinbrücken über den Warjascher Graben gab. Nach dem Zurückdrängen der
Türken, die ab 1526 den Pannonischen Raum beherrschten, mehrmals die Kaiserstadt
Wien belagerten und ganz Europa bedrohten, zwischen 1683 und 1718, wurde
das befreite Banat fester Bestandteil des Reiches. Um die Wirtschaftskraft
der verwüsteten und weitgehend entvölkerten Provinz zu stärken, an der
Südostgrenze des Reiches stabile politische Verhältnisse zu schaffen und
der Region eine friedvolle Zukunft zu sichern, wurde das Land neu kolonisiert.
Zwischen 1722 und 1786 wurde das Banat in den drei so genannten „Schwabenzügen”
mit deutschen Kolonisten aus dem Elsass, aus Lothringen, aus dem Sauerland,
aus Luxemburg, Baden, der Pfalz und aus Rhein- und Mainfranken neu besiedelt.
Den Siedlern, die aus Existenznöten, hervorgerufen durch steuerliche Überlastung,
durch Ausbeutung, fürstliche Willkür und Unterdrückung, den Werbern des
Kaisers gefolgt waren, hatte man viel versprochen. Die Zuteilung von Grund
und Boden, unentgeltliches Baumaterial für ihre Häuser, die Ausstattung
ihrer Höfe, „aller hülflicher Beystand“ und 6-jährige Steuerfreiheit für
die Bauern sowie 10-jährige Steuerfreiheit für Gewerbetreibende wurden
den Siedlern in dem von der Kaiserin Maria Theresia erlassenen Kolonisationspatent
zugesichert. Allerdings ließen die Grundherren und Fürsten ihre Untertanen,
zum Teil Leibeigene, nicht ohne Abzugsgeld ziehen. Erst nach der Zahlung
der „Manumission“ konnten sie als persönlich Freie ziehen. Die lange Reise
in das von den Werbern gelobte Banat im fernen „Hungarn“ war beschwerlich,
jedoch den damaligen Reisemöglichkeiten entsprechend relativ gut organisiert.
In Ulm sammelten sich die Siedler, erhielten Reisepässe und fuhren auf
kleinen Schiffen, den so genannten „Ulmer Schachteln“, die Donau abwärts.
Andere Siedler fuhren ab Regensburg auf den bis zu 300 Personen fassenden
„Kehlheimer Plätten“ auf dem Strom ostwärts. In Wien und Pest wurden die
Auswanderer registriert und erhielten Reisegeld. Über die Theiß und den
1736 fertig gestellten Begakanal kamen die Siedler nach Temeswar, von
wo sie zu ihrem Ansiedlungsort geleitet wurden. |
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| Billed
wurde 1765 während des „Großen Schwabenzug“ (1763-1772), unter der Kaiserin
Maria Theresia, zusammen mit anderen 33 vorwiegend in der Banater Heide
liegenden Dörfern besiedelt. Dabei sollte Billed als eine der ersten Neugründungen
dieser Siedlungsperiode eine Musterrolle übernehmen. 254 gleich große
Hausplätze von je einem Katastraljoch, in Billed „Gerechtigkeit“ genannt,
wurden vermessen, worauf 252 Wohnhäuser errichtet wurden. Ein Hausplatz
war für die Kirche und einer für die Schule vorgesehen. Allerdings ging
der Aufbau des Dorfes nicht gerade mustergültig voran. Wegen des späten
Beginns der Bautätigkeit, erst im September oder Oktober, und anderer
Organisationsmängel konnten zum Winterbeginn nur 30 Familien fertige Häuser
in der Altgasse beziehen. Die anderen, schon 1765 für Billed bestimmten
Familien, wurden über den Winter in anderen Dörfern, überwiegend in Neubeschenowa
und St. Andreas, einquartiert. Funde von Erdgruben auf mehreren Höfen
deuten darauf hin, dass die Siedler zeitweilig in solch primitiven Behausungen
gelebt haben. Im folgenden Jahr 1766 wurden die Bauarbeiten zügig vorangetrieben,
so dass bis Anfang September 202 Familien ihre Häuser beziehen konnten.
Zwanzig Häuser wurden erst 1767 bezogen. Die Ansiedlerhäuser wurden aus
Kotziegeln gebaut und mit Schilf gedeckt. Sie hatten je ein Zimmer an
der Straßenseite, in Billed „Stubb“ genannt, eine Küche, ein zweites Zimmer,
„Kammer“ genannt, eine Vorratskammer, die „Speiss“, und schließlich einen
Stall unter dem gleichen Dach. Die Häuser waren 3 Klafter breit und 10
Klafter lang und hatten jeweils südseitig einen offenen Hausflur, „Gang“
genannt. Während die ersten Häuser in Billed von Lohnarbeitern und Robot
leistenden Bauern, „Sarahoren“ genannt, erbaut wurden, haben die Kolonisten
1766 intensiv beim Hausbau mitgewirkt, wahrscheinlich unter Anleitung
von Handwerkern, ihre Häuser weitgehend selbst gebaut. Dabei wurden viele
Wände gestampft, was schneller ging und billiger war. Ein Kostenvergleich
in der Arbeit „Zur Spät-Theresianischen Ansiedlung im Banat“ von Georg
Reiser bestätigt, dass in Billed auch Wände gestampft wurden. Die 252
Häuser wurden beidseitig entlang der fünf parallel verlaufenden Altgasse,
Zweitgasse, Kirchengasse, Viertgasse und Sauerländergasse und einseitig
entlang der „Zwerchgasse“ genannten nördlichen Kreuzgasse gebaut. Entsprechend
der Impopulations- Hauptinstruktion wurde von Anfang an ein Wirtshaus
und ein Gemeindeverwaltungshaus in einem Kolonistenhaus eingerichtet.
Auch Schulunterricht und Gottesdienst fanden bis zum Bau der Kirche und
der Schule in einem eigens dazu bestimmten Kolonistenhaus statt. |
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Den Baugrund,
das Baumaterial für ihre Häuser wie auch das zugeteilte Ackerfeld und
die Wiesen erhielten die Ansiedler kostenlos vom Aerar, d.h. vom Staat.
Der Bau der Häuser, die Ausstattung ihrer Höfe mit Zugvieh, Kühen, Wagen,
Pflügen und sonstigen Arbeitsgeräten, Hausrat, das Saatgut wie auch
die Nahrungsmittel für die Anfangszeit waren den Siedlern als Vorschüsse,
„Antizipationen“ genannt, überlassen. Diese Vorschüsse sollten nach
einer Frist von drei Jahren zurückbezahlt werden. Welche Vorschüsse
die Siedler vom Aerar beanspruchten, war ihnen freigestellt; sofern
vorhanden, konnten sie sich auch mit Eigenmitteln das Nötige beschaffen.
Allerdings gab es andererseits auch erhebliche Mängel bei der Bereitstellung
der benötigten Lebens-mittel und Hofeinrichtungen. Insbesondere bei
der Verteilung der Lebensmittel gab es große Mängel und Ungerechtigkeiten.
Es hat einige Jahre gedauert, bis die Höfe der Siedler mit Zugtieren
und Geräten so ausgestattet waren, dass sie den ihnen übergebenen Boden
bewirtschaften konnten. Während die nunmehrigen Bauern in den ersten
zwei Jahren nur 3-5 Joch Feld je Hof in Gemeinschaftsarbeit mit Nachbarn
und Verwandten bearbeiten konnten, hatten 1769 schon 32 Bauern 37 Joch
Feld und 220 Bauern 21 Joch Feld unter dem Pflug. Im gleichen Jahr wurde
der Billeder Hatter durch den Militäringenieur Hauptmann Anton von Triebswetter
vermessen, in drei Fluren mit Längenunterteilungen von 128 Klafter (eine
„Längt“) eingeteilt, dazu Wege und Landstraßen. Die Felder wurden zu
je 8 Joch zusammengefasst. Die Bauern wurden, je nach Wirtschaftskraft,
mit einer ganzen Session oder mit einer halben Session beeignet. Im
Jahre 1774 wurde das heute noch erhaltene erste Grundbuch der Gemeinde
verfasst, in dem das Eigentum der Bauern eingetragen ist. Darin erscheinen
für die 252 Billeder Höfe 188 ganze Sessionen und 64 halbe Sessionen.
Eine ganze Session bestand aus je 8 Joch Feld in der Winterflur, in
der Sommerflur und in der Brachflur. Dazu kamen 6 Joch Wiesen und ein
Joch Hausplatz, zusammen 31 Joch. Die halbe Session bestand aus jeweils
4 Joch in den drei Fluren und einem Joch Hausplatz, zusammen 17 Joch.
Im Grundbuch ist das Haus mit den Flurnummern der dazugehörenden Feldern
eingetragen. Die Weide um die Gemeinde, die Hutweide, war und blieb
Gemeinschaftseigentum, sie gehörte nicht zu den Höfen und Sessionen.
Da des öfteren schon sehr unterschiedliche Meinungen über den sozialen
Stand der Ansiedler verbreitet wurden, sei hier der Beeignungstext aus
dem 1774 erstellten Grundbuch für das Haus Nr. 6, jetzt 513 wiedergegeben:
„Diesem Hause sind zufolge der auf Allerhöchst=Kaiserl. Königlich. Anordnung
beschehenen Individuelen Grundzutheilung nachspecificirte Siebenzehen
Joch Grundstücke zugemessen, und jeden dessen nachbenannt = rechtsmäßigen
Besitzer, als wahres Eigenthum zum freien Genuß, und willkührlichen
Gebrauch für ihm und seinen Erben oder Erbeserben doch gegen Entrichtung
der hierauf ausgemessenen Abgaben gleich all = übrig = Banatischen Unterthanen
übergeben., und vermög deren hierüber jedesmal unter nachgesetzten Tägen
und Jahren ausgefertigten Legalen Gewährs Briefen, gewährt und zugesichert
worden. Und zwar ...“ Im Folgenden ist das Haus mit dem Feld und den
Flurnummern eingetragen. Als Besitzer ist in diesem Falle Mathias Tasch,
„ein Bauer“, und seine Frau Susanna eingetragen. Bei Überkommungsart
steht: „Durch die erste ordentliche grundes Eintragung“. Unsere Ansiedlerahnen
waren demnach weder Pächter noch Leibeigene, sondern Besitzer der ihnen
für immer übergebenen Häuser und Felder. Wie die Eintragungen im Grundbuch
beweisen, konnten sie ihren Hof verkaufen oder vererben, jedoch immer
nur als Ganzes. Eine Aufteilung des Hofes war bis zur Grundentlastung
1848 nicht möglich. Konnte ein Bauer seinen Abgabe-pflichten jedoch
nicht nachkommen, wurde sein Hof einem anderen Siedler übertragen, der
sämtliche Schulden des Hofes übernehmen musste. Ab dem Jahre 1773 hatten
die Bauern Abgaben in Geld und Naturalien (Zehent) zu leisten. Aus heutiger
Sicht dürfte interessant sein, dass unsere Ahnen neben einer Kopfsteuer
und Grundsteuer auch einen Kasernenbeitrag zu leisten hatten. Noch schwerer
als die Steuern dürften sie aber die der Gemeinde, dem Aerer und später
der Grundherrschaft zu leistende Fuhr- und Handfron belastet haben.
Diese Robot, Robath oder in unserer Mundart „Handfrem“ genannte unbezahlte
Arbeit betrug 62 Tage für die Bauern mit ganzer Session und 35 Tage
für die „Halbbauern“. Diese Fron wurde in mehreren Stufen reduziert.
Nach der Revolution von 1848 erfolgte die Grundentlastung der Bauern,
die ab 1849 im Vollbesitz ihrer Höfe waren und diese nach Belieben verkaufen
oder vererben konnten. |
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Für unser
Heimatdorf trifft der Kolonistenspruch: „Den Ersten der Tod ...“ voll
zu. Ungewohntes sumpfiges Klima, schlechtes Trinkwasser und unzureichende
Ernäh-rung verursachten Krankheiten und Epidemien, die die Siedler dahinrafften.
Erschrek-kend sind die Sterbezahlen der Ansiedlungsjahre. Wir wissen
nicht, wie viele Kolonisten in Billed angesiedelt wurden. Franz Klein
rechnet bei 252 Häusern mit rund 1000 Erstansiedlern. Für das Jahr 1766
werden 705 Einwohner für Billed angegeben. Da schon im Gründungsjahr
1765, als Billed noch zur Pfarrei Neubeschenowa gehörte, dort 26 Sterbefälle
für Billed eingetragen sind, welchen 1766 weitere 72 Todeseintragungen
folgten und ab der ersten Eintragung im Billeder Matrikelbuch, am 9.
September 1766, noch weitere 97 Todesfälle im gleichen Jahr vermerkt
wurden, kann diese Annahme stimmen. Ein Jahr nach der Gründung des Ortes
hatte man schon 98 Tote dort begraben. Von der Gründung des Ortes bis
Ende des Jahres 1771 sind 936 Personen in Billed verstorben. Der Tod
war in dem neuen Dorf allgegenwärtig. Allein im Hungerjahr 1770 sind
256 Menschen gestorben, darunter 185 Kinder. Ganze Familien wurden dabei
ausgelöscht. Aus manchen Häusern trug man an einem Tag 2 Tote hinaus,
es gab Tage mit 5 und 6 Beerdigungen im Dorf. Neue Siedler kamen jedoch
in unser Dorf und zogen in die leer stehenden Häuser. Allein im Jahre
1771 kamen 150 Nachzügler aus dem Reich nach Billed. Das Leben ging
weiter. In den bescheidenen Stuben unserer Ansiedlervorfahren standen
die Wiegen nie still. Schon 1772 wurden 117 Geburten in Billed registriert.
Die steigende Geburtenzahl führte bei gleichzeitigem Rückgang der großen
Sterberaten zu einem Geburtenüberhang von jeweils 40-60 Personen in
den folgenden 20 Jahren. Obwohl nach der Gründung von Knees 1797 viele
Billeder dahin gezogen sind, musste 1798 die Neugasse angelegt werden,
denn Billed hatte eine Bevölkerungszahl von 1800 Personen erreicht.
Auch im 19. Jahrhundert kamen noch schwere Heimsuchungen über Billed.
So starben im Cholerajahr 1849 275 Personen. Auch in den Jahren 1868
werden 222 Todesfälle und 1878 gar 283 Tode, davon 231 Kinder, vermerkt.
Ab 1830 steigen jedoch die Geburtenzahlen auf über 200 jährlich, wobei
1880 mit 276 Geburten das reichste Kinderjahr in Billed war. Dadurch
steigt die Einwohnerzahl Billeds stetig, um im Jahre 1889 mit 5410 Einwohnern,
davon 5254 Deutsche, den Höchststand in der Geschichte Billeds zu erreichen.
Einige Jahre danach beginnt die Auswanderung nach Ameri-ka. Weit über
tausend Personen sind zwischen 1894 und 1914 aus Billed ausgewandert.
Der starke Geburtenrückgang ab 1900 wie auch der Verlust von 124 gefallenen
jungen Männern im I. Weltkrieg führen dazu, dass die Einwohnerzahl Billeds
kontinuierlich sinkt. Bei der von der Volksgruppe durchgeführten Erfassung
im März 1941 wurden in Billed 3652 Deutsche gezählt. |
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Auch der zweite Teil des Kolonistenspruches „den Zweiten die Not“ trifft für unser Heimatdorf voll zu. Den Berichten über die Ansiedlungszeit kann man entnehmen, wie groß die Not in den ersten Jahrzehnten war. Obwohl es den angesiedelten Bauern und Handwerkern nicht an Fleiß, Einsatzbereitschaft, Kenntnissen und Erfahrungen fehlte, war im Banat doch alles anders, als sie es in ihrer Heimat gekannt hatten. Sie standen vor der Aufgabe, aus unkultiviertem Weideland ertragreiches Ackerland mit geordneter Bewirtschaftung zu schaffen. Mangelnde Ausstattung mit Zugtieren und Geräten, mangelndes Saatgut, Trockenjahre und Überschwemmungen brachten nur geringe Ernteerträge und Missernten. Hunger und Not waren die Folgen. Steuer und Fron taten ihres dazu. Manche Bauern mussten ihre Wirtschaften aufgeben, weil sie die aufgezwungenen Abgaben nicht leisten konnten. Obwohl die Handwerker nach der Ansiedlung 10 Jahre steuerfrei waren, konnte sich auch das Handwerk in dieser allgemeinen Not nicht entwickeln. Allmählich setzte jedoch der Fortschritt ein. Mais- und Weizenanbau ersetzten Hirse und Korn und brachten gute Ernten, auch der Kartoffelanbau wurde immer lohnender. Obwohl es auch im 19. Jahrhundert noch mehrmals Missernten und Hungerjahre gab, kam die wirtschaftliche Entwicklung des Banates gut voran. Die Grundentlastung der Bauern 1849 brachte einen weiteren Entwicklungsschub. Die Viehzucht, anfangs nur für den Eigenbedarf betrieben, entwickelte sich langsam zu einer zusätzlichen Einkommensquelle, zumal Billed ab 1803 das Marktrecht erhalten hatte. Der Ausbau und die Schotterung der Reichsstraße Temeswar-Szegedin 1856, insbesondere der Anschluss Billeds an die Eisenbahn 1895 boten gute Verkehrsmöglichkeiten zu den Märkten des Landes. Die wirtschaftliche Entwicklung spiegelte sich in der Dorfansicht wider. An Stelle der bescheidenen aus Lehm gebauten Kolonistenhäuser wurden immer mehr geräumige Häuser mit barocken Giebelverzierungen aus Ziegelsteinen gebaut. Im 20. Jahrhundert setzte sich die wirtschaftliche Entwicklung Billeds fort. Die Einführung der Maschinen zur Landbearbeitung, verbesserte Anbaumethoden und -sorten brachten Spitzenerträge bei Weizen und Mais, auch im europäischen Maßstab damaliger Zeit. Der modernisierte Hanfanbau und der Tabakbau wie auch die neu eingeführten Kulturen von Zuckerrüben, Sonnenblumen und Sojabohnen waren sehr lohnend. Mit der Gründung und Entwicklung der „Landwirtschaftlichen Zentralgenos-senschaft“ und der „Banater Agraria“ waren Einrichtungen der Direktvermarktung entstanden, die der Viehzucht, vor allem der Schweinemast und der Milchproduktion ungeahnten Auftrieb gaben. Banater Landswirtschaftserzeugnisse fanden guten Absatz auf den Märkten in Mittel- und Westeuropa. In gleicher Weise wie die Landwirtschaft hatten sich auch Handel und Gewerbe in Billed entwickelt. Wer heute durch Billed wandert, kann sich kaum vorstellen, dass es in diesem Dorf einst 18 Geschäfte, darunter 2 größere Kaufhäuser, 15 Metzgereien und 10 Wirtshäuser gab. 1940 gab
es in Billed folgende Gewerbebetriebe und Gewerbetreibende:
An
Industrie und Kleinindustrie gab es in Billed:
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Vor
der Enteignung am Ende des Zweiten Weltkrieges besaßen die Billeder
7.180 Joch Ackerboden auf der Billeder Gemarkung und 2.868 Joch Ackerboden
außerhalb der Heimatgemeinde. Der Gesamtfeldbesitz in Katastraljoch
teilte sich 1940 wie folgt auf: Vor der
Enteignung gab es in Billed folgenden Tierbestand: Eine sehr
imposante Schau der wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinde bot die
Billeder Landwirtschafts- und Gewerbeausstellung im Juni 1924. Auf der
Ausstel-lung konnten die aus allen Landesteilen angereisten Besucher
die hohe Qualität und Vielfalt der Erzeugnisse der Billeder Handwerker
wie auch den hohen Stand der Rassenviehzucht und Agrarproduktion der
Billeder bewundern. Die „Zeit des Brotes“ war im Banat der Zwischenkriegszeit
erreicht, die Bezeichnung Kornkammer ist für diese Zeit für unsere Heimat
zutreffend. |
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Johann Gottfried Herder definiert Kultur als Summe der typisch feststellbaren Lebensformen einer Bevölkerung, einer Volksgruppe, eines Volkes. Damit ist ihre Arbeitskultur, Felder- und Tierpflege, Glaubenskultur und Volkskultur mit Sprache, Musik, Liedern und Brauchtum gemeint. Unsere Ansiedlerahnen kamen aus dem christlichen Abendland, aus verschiedenen Regionen des Deutschen Reiches, sie waren Träger der Kultur ihrer Heimat und ihres Volkes. Heute können wir feststellen, dass die Billeder, wie die Banater Schwaben in ihrer Gesamtheit, im Laufe der vergangenen 235 Jahre, über nunmehr 9 Menschengenerationen, sich diese Kultur bewahrt haben. Sie sind unbeschadet des natürlichen Ein-flusses ihrer Nachbarvölker und des starken Assimilierungsdruckes der staatstragenden Madjaren und Rumänen Angehörige des deutschen Volkes geblieben. Die geringen kulturellen Unterschiede der Ansiedler, die ja aus verschiedenen Ländern des Deutschen Reiches kamen, waren nach einer Generation ausgeglichen. Diese örtliche Homogenisierung der Volkskultur in Billed ist gut an der Entwicklung unseres Dorfdialektes erkennbar. Als die Nachbarsgemeinde Knees im Jahre 1797 gegründet wurde, sind viele Billeder der zweiten Generation nach Knees gezogen. Da die Kneeser die gleiche Mundart wie die Billeder sprechen, kann angenommen werden, dass die Bildung unseres einheitlichen Dorfdialektes mit der rheinfränkisch-moselfränkischen Mischmundart nach 30 Jahren abgeschlossen war. |
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Die
Schule. Die von Maria Theresia erlassene allgemeine Schulpflicht wurde in Billed mit der Dorfgründung eingeführt. Bis zum Bau der „Alten Schule“ im Jahre 1798 fand der Unterricht, mit zunächst nur einem Lehrer für alle Kinder, in einem Kolonistenhaus in der Altgasse statt. Um der stark angestiegenen Schülerzahl - 1828 besuchten rund 600 Kinder die Billeder Volksschule – Rechnung zu tragen, wurde 1847 die große Schule gebaut. Entsprechend war auch die Zahl der beschäftigten Lehrer und Hilfs-lehrer angestiegen. Obwohl schon gleich nach dem Anschluss des Banates an Ungarn, im Jahre 1778, die Madjarisierung der Schulen begann und ab 1831 Ungarisch als Amts- und Geschäftssprache im Banat verordnet worden war, wurde in der konfessionellen Schule in Billed bis 1870 in deutscher Sprache unterrichtet. Erst nach der Umwandlung der Schule in eine Gemeindeschule wurde ab 1870 mit steigender Tendenz ungarisch unterrichtet. Obwohl die Rumänen beim Anschluss des Banates an Rumänien den Deutschen Kultur- und Schulautonomie versprochen hatten, wurde ab 1920 zunächst teilweise, später in vier Fächern in rumänischer Sprache unterrichtet. Erst 1941 mit der Übernahme der Schulen durch die Volksgruppe haben die Deutschen in Rumänien volle Schulautonomie erreicht. In den von der Volksgruppe getragenen Schulen wurde in deutscher Sprache unterrichtet. |
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Die
Kirche.
(Bilder) |
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Vereins-
und Kulturleben. |
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Unsere
Ahnen kamen freiwillig und als freie Menschen in das Banat. Da Billed
auf Staatsgrund erbaut wurde, waren die Siedler zunächst nur dem Kaiser
untertan. Dieser hatte seinen verlängerten Arm in der Impopulationsdirektion,
der im Banat ein Ansiedlungsleiter unterstand, bei der Gründung Billeds
war dies Johann Wilhelm Hildebrand. Diesem unterstand der Distriktverwalter,
für Billed Josef Knoll, der letztlich mit dem Kolonistenaufseher Lorenz
Klunkhard seinen Vertreter der Staatsgewalt in Billed hatte. Von Anfang
an bekamen die Kolonisten jedoch eine Selbstverwaltung mit einem Gemeinderichter,
mit zunächst zwei und später 6 Geschworenen und einem Kleinrichter.
Erster Billeder Dorfrichter war Caspar Hann. 1778 wurde das Banat dem
Königreich Ungarn übergeben und die Komitatsverwaltung eingeführt. Billed
befand sich nun in einem Staat, der nicht mehr zum Deutschen Reich gehörte.
Mit der Übernahme Billeds durch das Agramer Bistum im Jahre 1800 bekam
das Dorf einen Grundherrn, der sowohl das Steuerrecht als auch die Gerichtsbarkeit
inne hatte. Für die Verwaltung der Güter des Bistums im Banat wurde
in Billed das „Kastell“ gebaut, zu dem auch der Gerichts- und Gefängnisbau
und mehrere Wirtschaftsgebäude gehörten. Das anfänglich sehr harte Urbarialgesetz,
dem Billed nun unterstand, wurde später mehrfach gemildert, bis die
Revolution von 1848 die völlige Grundbefreiung der Bauern brachte. Obwohl
das Agramer Bistum noch bis 1912 Grundbesitz und Verwaltung in Billed
hatte, sind Steuern, Verwaltung und Gerichtsbarkeit nach 1848 wieder
an den Staat übergegangen. Die Ideen von Freiheit, Gerechtigkeit und
Gleichheit haben auch die Banater Schwaben in den Revolutionsjahren
berührt und zur ersten völkischen Bewegung der Deutschen im Banat geführt.
Am 2. Oktober 1849 versammelten sich in Billed 128 Vertreter von 27
Banater Gemeinden, die mit einer vom Billeder Notar Krüner verfassten
Vollmacht den Bogaroscher Dechantpfarrer Josef Novak als Vertreter „Unserer
Deutschen Angelegenheiten“ beauftragten. Pfarrer Josef Novak verfasste
eine Bittschrift an den Kaiser, die von 31 Vertretern aus 13 Dörfern
unterschrieben wurde. Billederseits ist diese von Peter Laut, Richter,
und Adam Engrich, Geschworener, unterzeichnet. In der Bittschrift wird
nach dem Prinzip der Gleichberechtigung aller Nationalitäten eine Selbstverwaltung
durch ein unmittelbares Oberhaupt, nach dem Vorbild der Sachsengrafen
in Siebenbürgen, verlangt. Nicht mehr als andere, aber eben das Gleiche
verlangen die Banater Deutschen in dieser Bittschrift. So z.B. den Gebrauch
„unserer Muttersprache auch in öffentlichen Geschäften“. Keinen Vorzug
wollen sie, kein Separatismus, keine nationale Selbständigkeit, aber
eben um Gleichbehandlung bitten sie. Sie begründen dies u.a. folgendermaßen:
„In Frieden und bester Eintracht mit allen Volksstämmen, durchlebten
wir unbekümmert um Weltereigniss, und Regierungsformen, mit unserer
Lage völlig zufrieden beinahe ein Seculum. Arbeit nur war unser Element,
das Stückchen Feld, das wir bebauten, unsere Welt...“ Als „Stammesverwandte
der großen deutschen Nation“ seien sie hier nicht mit den übrigen Nationen
gleichberechtigt, sondern „schutzlose Waisen im Hause einer anderen
Nationalitätsfraktion“. Im November 1849 wurde das Kronland „Serbische
Wojwodschaft und Temescher Banat“ gegründet, das direkt Wien unterstellt
war. Amts-, Geschäfts- und Schulsprache wurden wieder deutsch. Das Kronland
bestand jedoch nur bis 1861, wonach das Banat wieder zu Ungarn kam und
mit dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich von 1867 endgültig dem
ungarischen Teil der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn zugeschlagen
wurde. Der Erste Weltkrieg war die erste große Heimsuchung des 20. Jahrhunderts,
die über uns kam. An seinem Ende hatten 124 Söhne der Gemeinde den Tod
auf den Schlacht-feldern Europas gefunden. Dazu kam ein großer wirtschaftlicher
Rückschlag. Nach einer kurzen Besetzung durch die Serben, die bei ihrem
Abzug plünderten, wurde das Banat durch den Friedensvertrag von Trianon
geteilt, Billed kam mit dem größeren östlichen Teil zum Königreich Rumänien.
Mitbestimmung, entsprechend dem Programm des USA-Präsidenten Wilsons,
gab es dabei für uns keine. Allerdings wurden sich die Schwaben nun
immer mehr ihrer eigenen ethnischen Art und Zugehörigkeit bewusst. Schon
1907 war in Werschetz unter der Führung von Edmund Steinacker, als Gegengewicht
zum madjarischen Chauvinismus, die Ungarnländische Deutsche Volkspartei
entstanden. Trotz ihrer gewaltsamen Unterdrückung keimte im Volk, weniger
bei den Bürgern als bei den Bauern, der Widerstand gegen die Madjarisierung
fort. Die Saat volksbewusster Männer, wie Adam Müller-Guttenbrunn, Ludwig
Kremling, Franz Wettel, Hans Röser u.a., war aufge-gangen. Auf einer
Volksversammlung im März 1921 hatten sich 15.000 Deutsche aus allen
Dörfern des Banates in Temeswar versammelt und begeistert die Deutsch-Schwäbische
Volksgemeinschaft als Volksorganisation gegründet. Zwei Jahre später,
bei der 200 Jahrfeier der Ansiedlung, im August 1923, versammelten sich
gar 50.000 Deutsche aus dem Banat auf dem Temeswarer Domplatz zu einer
gewaltigen Kundgebung ihres Volksbewusstseins. Allerdings kam es bald
auch zu oppositionellen Strömungen innerhalb der Volksgemeinschaft.
Es bildete sich die „Nationale Erneuerungsbewegung der Deutschen in
Rumänien“, später die „Deutsche Volkspartei in Rumänien“, die 1935 einen
Parteitag mit 7000 Teilnehmern in Billed veranstaltete. Von dieser spaltete
sich die „Volksgemeinschaft der Deutschen in Rumänien“ ab. Der Bruderstreit
unter den Parteien, der auch in Billed mit Heftigkeit ausgetragen wurde,
fand sein Ende im November 1938 mit der Gründung der „Deutschen Volksgruppe
in Rumänien“. Diese wurde von der rumänischen Regierung als alleinige
politische Organisation der Rumäniendeutschen anerkannt und bestimmte
fortan das öffentliche und politische Dorfleben. Sie kam aber alsbald
unter den Einfluss Berlins, um mit dem Ausbruch des Krieges gänzlich
über die Volksdeutsche Mittelstelle in Berlin geführt zu werden. Im
wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Bereich hatte Billed in der
Zwischenkriegszeit den Höchststand in seiner Entwicklung erfahren, die
Deutschen im Banat hatten ihr Höchstmaß an Selbstbestimmung, Selbstverwaltung
und Selbstverantwortung erreicht. |
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Schon die
Spannungen und Kriegsdrohungen zwischen Ungarn und Rumänien führten
zu Requirierungen von Pferden, Fuhrwerken und landwirtschaftlichen Erzeugnissen
wie auch zum Einzug der wehrpflichtigen Männer zum Militär. Rumänien
begann den Krieg gegen die Sowjetunion im Juni 1941 auf der Seite des
Deutschen Reiches. Die wehrpflichtigen Männer aus Billed waren damals
fast ausnahmslos im rumänischen Heer und kamen zum Fronteinsatz in der
Südukraine, wo bei Odessa die ersten 4 Billeder fielen. Mehrere Verwundete
und Invaliden kehrten noch im gleichen Jahr nach Billed zurück. Im Winter
1942/1943 fielen weitere 9 Billeder bei Stalingrad. Insgesamt sind bis
Kriegsende 21 Billeder im rumänischen Heer gefallen. Am 12. Mai 1943
kam es zwischen der Reichsregierung und der rumänischen Regierung zu
einem vertraglichen Abkommen, „hinsichtlich der Einreihung rumänischer
Staatsbürger volksdeutscher Zugehörigkeit aus Rumänien in die deutsche
Wehrmacht-SS“. Innerhalb nur einiger Wochen wurden alle Männer vom 18.
bis zum 35. Lebensjahr, sofern sie nicht im Fronteinsatz oder unabkömmlich
im rumänischen Heer waren, zur Waffen-SS eingezogen. Eine große Zahl
Billeder hatte sich schon vorher freiwillig zum deutschen Heer gemeldet.
Insgesamt waren 396 Billeder im deutschen Heer. Von ihnen sind 84 an
allen Fronten des Zweiten Weltkrieges gefallen. Die meisten Kriegsteilnehmer
kamen am Ende des Krieges in Kriegsgefangenschaft, viele von ihnen mussten
bis zu fünf Jahre Zwangsarbeit in Russland leisten. Nachdem Rumänien
am 23. August 1944 die Fronten gewechselt hatte, durchzog die Rote Armee
ohne Widerstand in kurzer Zeit Rumänien. Am 21. September standen die
Russen in Billed. Der Krieg war mit aller Härte in unser Dorf gekommen.
Angehörige der 4. SS-Polizei-Division konnten die Sowjets wieder hinausdrängen
und Billed bis zum 7. Oktober halten. Obwohl es in dieser Zeit die Möglichkeit
zur Flucht für alle Billeder gab, sind nur etwa 300 Personen geflüchtet,
manche allerdings nur bis in die Nachbarsgemeinden. Die große Mehrheit
der Billeder ist im Dorf geblieben. Am 8. Oktober wurde Billed endgültig
von den Russen besetzt. Es folgten Gewalt und Plünderungen, die bis
in den Winter anhielten. Während der Kampfhandlungen und danach wurden
in Billed 12 Zivilpersonen getötet. Sieben Billeder wurden während der
Flucht von jugoslawischen Partisanen hingerichtet. Am 15. Januar 1945
wurden alle Frauen zwischen 18 und 35 Jahren und alle Männer zwischen
17 und 45 Jahren aufgegriffen und zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion
deportiert. Davon waren 556 Billeder betroffen. Sie mussten unter schwierigsten
Bedingungen, bei unmenschlicher Behandlung und Versorgung, fünf Jahre
harte Zwangsarbeit in Kohlengruben im Donezbecken und auf Baustellen
leisten. 76 Billeder sind während der Verschleppung in Russland verstorben.
Wie mittlerweile aufgrund von Studien in den Staatsarchiven des sowjetischen
KGB und des Volkskommissariates für innere Angelegenheiten der UdSSR
bewiesen wurde, war die Zwangsarbeit der Südostdeutschen eine von den
Sowjets geforderte Reparationsleistung in Arbeitskraft für die Kriegsschuld
Deutschlands. Im Frühjahr 1945 kamen durch eine staatlich gesteuerte
Aktion rumänische Kolonisten in die deutschen Dörfer im Banat. Der Zuzug
der Kolonisten aus dem Westgebirge, aus Oltenien, der Dobrutscha und
Bessarabien hielt in Billed bis im Sommer 1945 an. Aufgrund der Agrarreform
vom 23. März 1945 wurde in Billed der Feldbesitz aller Deutschen enteignet,
obwohl dies in den Durchführungsbestimmungen vom 11. April 1945 so nicht
vorgesehen war. Die Kolonisten erhielten einen Beeignungstitel -titlu
de improprietarire-, aufgrund dessen ihnen 9 Joch Feld zugeteilt wurden.
Auch die Häuser der Deutschen wurden enteignet, die Kolonisten wurden
in die Häuser der Deutschen einquartiert. Ebenso wurden das Vieh und
alle landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte enteignet. Mit Knüppeln
bewaffnet zog eine Horde, die sich Enteignugsausschuss nannte, von Haus
zu Haus und vollzog die Enteignung; wer sich nicht fügte, wurde niedergeknüppelt.
Zweimal kam es dabei zu größeren Ausschreitungen mit Verletzten und
Verhaftungen. Auch die Handwerksbetriebe, Geschäfte, Kleinindustrie
und Industrie wurden verstaatlicht. In den ersten Nachkriegsjahren waren
den Deutschen auch die bürgerlichen Rechte entzogen, sie hatten zunächst
kein Wahlrecht, es gab keinen Unterricht in deutscher Sprache. Sechs
Jahre nach dem Ende des II. Weltkrieges traf ein weiterer harter Schicksalsschlag
einen Teil der Billeder. Am 18. Juni 1951 wurden mit einer Aktion, die
auch zu Staatsfeinden erklärte Rumänen betraf, 213 deutsche Familien
mit 529 Personen in die Baragansteppe zwangsverschleppt. Wie vormals
ihre Ahnen mussten sie sich auf freiem Feld Häuser aus Lehm stampfen
und bis zu ihrer Entlassung im Februar 1956 unter schwierigsten Bedingungen
leben und arbeiten. 58 Billeder sind während des Zwangsaufenthalts im
Baragan verstorben. |
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Rumänien
war am Ende des II. Weltkrieges von den Sowjets besetzt, die dem Land
ihr politisches System aufzwangen. Schrittweise wurden alle bürgerlichen
Parteien ausgeschaltet und verboten, der König musste das Land verlassen
(Dezember 1947), ab 1948 herrschte allein die bolschewistisch ausgerichtete
Rumänische Arbeiterpartei, die eine kommunistische Diktatur einführte
und mit stalinistischem Terror, totaler Überwachung und Bespitzelung
das Land regierte. Die gesamte Wirtschaft wurde verstaatlicht, die Landwirtschaft
zwangskollektiviert. Die vormaligen Bauern waren nun besitzlose Landarbeiter
geworden. Auch in der staatlichen Maschinenstation, in der Ziegelei
und in der Hanffabrik fanden die Billeder Arbeitsplätze. Die Jüngeren
orientierten sich schnell um, lernten Berufe und fanden Arbeitsplätze
in der Industrie in Temeswar. Ab 1949 gab es wieder eine deutsche Abteilung
an der Volksschule und einen deutschen Kindergarten. Viele Billeder
der Nachkriegsgeneration besuchten Mittelschulen und Hochschulen. In
den 70-er Jahren wurde die kommunistische Unterdrückung etwas lockerer,
so dass sich auch wieder ein deutsches Kulturleben in Billed entfalten
konnte, das allerdings sozialistische Inhalte haben musste. Als der
Diktator Ceausescu jedoch mit Nachdruck die Schaffung einer Einheitsnation
in Rumänien anstrebte und andererseits das sozialistische Wirtschaftssystem
endgültig gescheitert war, wurde der Drang der Deutschen zur Aussiedlung
aus Rumänien unaufhaltsam. Mit dem Sturz des Kommunismus im Dezember
1989 kam es zum Exodus der Schwaben aus dem Banat. |
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Von den
rund 300 geflüchteten Billedern haben nur 136 Personen die amerikanische
Zone in Österreich erreicht und sind im Westen geblieben. Nach der Entlassung
aus der Kriegsgefangenschaft sind 133 Billeder nicht mehr in den Heimatort
zurückgekehrt. Rumänien hat sich zwischen 1946 und 1948 geweigert, krankheitshalber
ent-lassene Russlandverschleppte aufzunehmen. Sie kamen über Frankfurt/Oder
nach Deutschland, von wo jedoch die meisten wieder illegal in das Banat
zurückkehrten. 30 Russlandentlassene sind jedoch in Deutschland geblieben.
Viele Familien waren demnach auseinandergerissen und versuchten ihre
Wiedervereinigung zu erreichen. Erst 1958 waren die diplomatischen Beziehungen
zwischen Deutschland und Rumänien so weit gediehen, dass im Rahmen der
Familienzusammführung die ersten Billeder aussiedeln konnten. In den
folgenden 20 Jahren wurde die Ausreise aus Rumänien offiziell nur im
Rahmen der Familienzusammenführung gewährt, in den meisten Fällen mussten
auch Bestechungsgelder bezahlt werden. 1978 kam es zwischen dem damaligen
Bundeskanzler Helmut Schmidt und der rumänischen Regierung unter Ceausescu
zu einem Abkommen, wonach jährlich 12.000 Deutsche aus Rumänien ausreisen
durften. Die Bundesregierung hat dafür pro Kopf 10.000 DM bezahlt. Weitere
Schmiergelder hatten die Ausreisewilligen in Rumänien zu bezahlen. Ab
1984 mussten über Mittelsmänner in Rumänien 8.000 bis 12.000 DM je Person
für die Ausreise bezahlt werden, dazu kamen noch hohe Forderungen in
Lei oder Sachwerten. Manche Familien hatten beim Neuanfang in Deutschland
60.000 DM Schulden. Bis 1984 mussten die Ausreisenden ihre Häuser ohne
Entschädigung dem Staat überlassen und eine Verzichtserklärung über
ihr gesamtes Vermögen abgeben. Ab 1984 mussten die Häuser dem Staat,
für maximal 10.000 Lei, verkauft werden. Dies entsprach etwa einem Monatsverdienst
in Deutschland. Den Aussiedlern war es verboten Wertsachen oder Geld
auszuführen, je Person durften 70 kg Kleider und Hausrat mitgenommen
werden. Dies war noch weniger, als die Ansiedlerahnen vor 220 Jahren
mit in das Banat gebracht hatten. Nicht wenige Billeder sind illegal
unter Lebensgefahr über die streng bewachte Grenze geflüchtet, ihre
ganze Habe waren die Kleider, die sie auf dem Leibe trugen. Als der
„Eiserne Vorhang“ endlich fiel, haben im Jahre 1990 583 Billeder den
Heimatort verlassen. Seit dem Ende des II. Weltkrieges haben insgesamt
2911 Billeder unser Heimatdorf verlassen. Zur Zeit leben noch 120 Deutsche
in Billed, 3266 in unserer Heimatkartei erfasste Billeder leben heute
in der ganzen Welt, davon 3075 in Deutschland. |
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Schon kurz
nach der politischen Wende wurde im März 1990 in Billed ein demokratisches
Forum zur Interessenvertretung der Deutschen in Billed gegründet. Das
Forum hat seinen Sitz im Haus Nr. 421 (Jakob Schmidt). Das Haus wurde
renoviert und als Begegnungshaus eingerichtet, in dem auch Kulturveranstaltungen
stattfinden. In dem Haus ist auch die seit 1994 bestehende Sozialstation
eingerichtet, von der aus 25 alte Landsleute betreut und verpflegt werden.
Das Forum konnte in den vergangenen Jahren jeweils ein Kirchweihfest
organisieren und ist zusammen mit der Kirchengemeinde um die Instandhaltung
der Kirche und der Friedhöfe bemüht. Vorsitzender des Billeder Forums
ist seit seiner Gründung Adam Csonti jun., der auch dem Billeder Gemeinderat
angehört. Für die Billeder, die am Ende des Krieges zunächst vereinzelt
hier in Deutschland gelebt haben, war es selbstverständlich, dass sie
einander suchten und sich einander halfen, vor allem sich gegenseitig
über Billed und über die Billeder unterrichteten. Um aber gemeinsam
handeln zu können, wurde eine Organisation der Billeder immer notwendiger.
Im Dezember 1974 kam es bei Jakob Slavik in Salzburg zum formellen Beschluss,
einen Verein der Billeder zu gründen. Beim Billeder Heimattreffen zu
Pfingsten 1975 in Karlsruhe wurde, dem deutschen Vereinsrecht entsprechend,
die Billeder Heimatgemeinschaft (HOG) gegründet. Diese wurde 1979 als
eigenständiger Verein im Vereinsregister Schweinfurt eingetragen und
als gemeinnützig anerkannt. 1982 wurde die HOG Billed wieder ein der
Landsmannschaft der Banater Schwaben angeschlossener nichteingetragener
Verein. Die wichtigsten Ziele der HOG Billed sind: die Erfassung aller
Billeder, soweit möglich, ihre sozialen Anliegen zu vertreten, die Geschichte
Billeds zu erforschen und zu dokumentieren; Kultur, Tradition und Brauchtum
zu erhalten und zu dokumentieren, den bedürftigen Billedern zu helfen,
Billeder Kulturdenkmäler zu erhalten und allen Billedern Zusammengehörigkeit
und Gemeinschaftsgeist zu vermitteln. Um diese Ziele zu erreichen gibt
die HOG Billed jährlich ein Heimatblatt heraus und veranstaltet jedes
zweite Jahr ein Heimattreffen mit einem Kulturprogramm. Die Mitwirkung
bei der Kirchenrenovierung 1974-1976 und bei der Herausgabe des Billeder
Heimatbuches, das Billeder Denkmal in Karlsruhe, der Videofilm über
Billed, die Renovierung des Kalvarienberges, die Instandhaltung der
Friedhöfe in Billed, die Herausgabe eines Tonträgers mit Liedern des
Kirchenchores und die Neugestaltung des Kriegsopferdenkmals in Billed
wie auch die in Zusammenarbeit mit dem Hilfswerk der Banater Schwaben
eingerichtete Sozialstation sind Leistungen der HOG Billed. Die Billeder Heimatkartei wird seit 1987 von Josef Herbst geführt. Dem Vorstand der Heimatgemeinschaft gehören als Mitglieder an:
Werner Gilde - Vorsitzender, Vertretung der Gemeinschaft
nach außen |
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