Brauchtum


Das Brauchtum umfasst das Tun einer Dorfgemeinschaft (und damit der Familie), das verpflichtend für jeden ist, doch keine geschriebenen Gesetze / Regeln kennt.

 

Der Lebenskreis bestimmt die Brauchtumshandlungen bei Schwangerschaft, Geburt, Taufe, Wöchnerin, Brautwerbung, Verlobung, Hochzeit, Tod und Begräbnis, um nur einige aus der Vielzahl zu nennen.

Unsere Kirchenbücher sind diesbezüglich die ältesten schriftlichen Dokumente.
Nach langjähriger Arbeit liegt das Billeder Familienbuch in drei Bänden nun vor. Es ist ein stattliches Buch geworden, in dem die Daten über die Menschen zusammengefasst sind, die über 9 Generationen in dem deutschen Dorf Billed, in der Banater Heide, gelebt und gewirkt haben.

Wir Banater Schwaben sind zwar sehr konservativ und traditionsverbunden, wir haben Altes konserviert und Neues selbst erschaffen oder von anderen kreativ übernommen, d.h. es wurde in entsprechender Form an unser Wesen, Denken und Empfinden angepasst.


 

In den meisten katholischen Ortschaften im Banat, so auch in Billed, flogen die Glocken von Gründonnerstag bis Karsamstag weg (Kinderglaube). Um das Glockengeläut zu ersetzen, "ratschten" nun mit den vom Tischlermeister gebauten "Raschple" die Ministranten zu verschiedenen Tageszeiten. Die Ministranten unserer Kirchengemeinde waren für die verschiedenen Gassen und die dazugehörigen Kreuzgassen eingeteilt. Es war für uns junge Buben eine sehr wichtige Aufgabe, denn wir wollten in kürzester Zeit die uns zugeteilte Straße durchlaufen haben. Wir haben jeweils morgens und abends um 6 Uhr geratscht und zum Mittag. Angefangen haben wir Gründonnerstag abends und am Karsamstag um 12 Uhr war dann mit dem Raschpeln Schluss.

Folgende Sprüche haben wir gerufen:

"Der Tag bricht an, die Nacht ist zu Ende,
zum Morgengebet faltet die Hände. (raschpel, raschpel, raschpel)

Habet Acht ihr Christenleut,
wir ratschen jetzt zur Mittagszeit,
der Herr uns schenket Speis und Trank,
dafür saget ihm Lob und Dank. (raschpel, raschpel, raschpel)

Wir geben allen Christen kund,
zum Abendbeten kam die Stund` ". (raschpel, raschpel, raschpel)

Am Samstag, so um 13 Uhr, ging es dann mit der "Kleck" von Haus zu Haus.
Folgender Spruch wurde in Begleitung und im Rhythmus der "Kleck" in Billed zur Ankündigung des Osterfestes vorgetragen oder gesungen.

"Ihr Leit, ihr Leit, ihr liewe Leit - es kommt die heil´ge Osterzeit.
Gebt uns Eier , gebt uns Geld - wie´s euch gefällt.
Nur ke Schlä die tun so weh. "

An dieser Stelle wurden wir dann mit Eiern und Kleingeld beschenkt.
Es war gleichzeitig die Anerkennung für unsere geleistete Arbeit der vergangenen Tage.
Nach dem wir die Eier in einem Korb, welcher mit Stroh ausgelegt war, verstaut hatten und das Kleingeld in der Blechdose war, haben wir noch folgende Sprüche abwechselnd vorgetragen oder gesungen:

"Das Liedl ist gesungen,
die Groschen sind gesprungen,
Glück, Glück ins Haus,
Unglück zum Tor hinaus.

Ihr habt uns eure Ehr` gegeben,
ihr sollt das Jahr in Frieden leben.
Ihr und eure Kinder,
ihr und eure G`sinder.
Glück, Glück ins Haus,
Unglück zum Tor hinaus."

Aus der Erinnerung aufgeschrieben.
Werner Tobias, Werner Gilde

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